Die Königsdisziplin: Mit dem Rad zu den Plätzwiesen
Bei bestem Herbstwetter ging es heute auf eine ganz besondere Tour – zur Plätzwiese inmitten der Sextner Dolomiten. Schon die Anfahrt durch das Pustertal versprach einen großartigen Tag, doch was uns unterwegs erwartete, sollte diese Tour zu einer echten Königsdisziplin machen.
Von Olang nach Toblach
Gestartet sind wir wie gewohnt in Olang beim Messnerwirt. Über den gut ausgebauten Pustertalradweg führte unser Weg zunächst gemütlich durch das Tal in Richtung Toblach.
Toblach liegt auf rund 1.250 Metern Höhe und wird gerne als „Tor zu den Dolomiten“ bezeichnet. Der Ort liegt am Übergang zwischen dem Pustertal und dem Höhlensteintal und ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren in die umliegende Bergwelt. Auch mehrere bekannte Dolomiten-Radwege führen durch oder nahe an Toblach vorbei.
Hier verließen wir den Pustertalradweg und bogen in den Langen Weg der Dolomiten ein. Die Strecke ist unter anderem Bestandteil des bekannten Fernradweges München–Venedig, der auf seiner Route die Alpen und die Dolomiten überquert.
Toblacher See – das erste Highlight
Unser erstes Zwischenziel war der Toblacher See. Der rund 1.250 Meter hoch gelegene See liegt wunderschön eingebettet zwischen den Dolomitenbergen. Das klare Wasser und die imposante Bergkulisse machen ihn zu einem der bekanntesten Seen der Region.
Heute zeigte sich die Landschaft bei strahlendem Sonnenschein von ihrer schönsten Seite. Die Herbstfarben und die schroffen Dolomitengipfel boten immer wieder fantastische Fotomotive.
Erinnerung an die Soldaten – der Friedhof Nasswand
Kurz darauf erreichten wir den Soldatenfriedhof Nasswand. Er erinnert an die Soldaten, die während des Ersten Weltkriegs an der Dolomitenfront ihr Leben verloren.
Die Front verlief damals mitten durch die Dolomiten. Die Berge, die heute vor allem Wanderer, Radfahrer und Bergsteiger begeistern, waren während des Ersten Weltkriegs Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen österreichisch-ungarischen und italienischen Truppen.
Der Friedhof ist heute ein stiller Ort des Gedenkens und macht deutlich, wie eng die Geschichte dieser Landschaft mit den Ereignissen des vergangenen Jahrhunderts verbunden ist.
Festung Landro – Spuren der Kriegsgeschichte
Weiter ging es durch das Höhlensteintal zur Festung Landro (Forte di Landro). Die ehemalige österreichische Befestigungsanlage wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und sollte den Zugang durch das Höhlensteintal sichern.
Während des Ersten Weltkriegs lag die Festung unmittelbar im Bereich der Dolomitenfront. Die strategisch wichtige Verbindung über Landro und in Richtung Cortina d’Ampezzo wurde damals militärisch gesichert.
Auch im Zweiten Weltkrieg spielte die Region als Verkehrs- und Militärraum eine Rolle, wenngleich die Kampfhandlungen hier nicht mit denen des Ersten Weltkriegs vergleichbar waren.
Heute sind die Überreste der Festungsanlage eindrucksvolle Zeugen dieser bewegten Vergangenheit.
Die Drei Zinnen – plötzlich stehen sie vor uns
Und dann war es soweit: Kurz nach der Festung konnten wir bei bestem Wetter die Drei Zinnen bestaunen.
Die Drei Zinnen gehören zu den bekanntesten und markantesten Bergformationen der Dolomiten. Die drei charakteristischen Felstürme – Große Zinne, Westliche Zinne und Kleine Zinne – ragen bis auf knapp 3.000 Meter Höhe auf.
Besonders beeindruckend war heute die klare Sicht. Die markanten Felswände zeichneten sich scharf gegen den blauen Himmel ab. Für uns Radfahrer war das ein Moment, bei dem man einfach einmal stehen bleiben und die Aussicht genießen musste.
Der Dürrensee – ungewöhnlich wenig Wasser
Weiter führte unsere Strecke durch das Höhlensteintal zum Dürrensee.
Der auf etwa 1.400 Metern gelegene Bergsee liegt spektakulär zwischen den Dolomitengipfeln. Normalerweise bietet der See mit seinen Spiegelungen ein großartiges Panorama. In diesem Herbst fiel allerdings auf, dass der Wasserstand ungewöhnlich niedrig war.
Auch hier zeigte sich wieder, wie trocken die vergangenen Monate gewesen sein müssen. Trotzdem bot der See zusammen mit den umliegenden Bergen eine beeindruckende Kulisse.
Jetzt begann der eigentliche Anstieg
Nach dem Dürrensee ging es noch ein kurzes Stück weiter, bevor wir bei Schluderbach die Hauptstrecke verließen.
Nun begann der anspruchsvollste Teil unserer Tour.
Über einen Schotterweg ging es steil hinauf in Richtung Plätzwiese. Der Untergrund machte den Anstieg zusätzlich anspruchsvoll und die Steigung verlangte einiges von uns. Höhenmeter um Höhenmeter arbeiteten wir uns nach oben.
Doch jeder zurückgelegte Höhenmeter wurde mit einer immer grandioser werdenden Aussicht belohnt.
Die Plätzwiese – Ziel der Königsdisziplin
Nach dem anstrengenden Anstieg erreichten wir schließlich die Plätzwiese, italienisch Prato Piazza.
Das weitläufige Hochplateau liegt auf etwa 2.000 Metern Höhe und gehört zu den schönsten Landschaften der Dolomiten. Umgeben von mächtigen Bergen wie der Hohe Gaisl und dem Dürrenstein, wirkt die Plätzwiese wie eine natürliche Aussichtsplattform mitten in der Bergwelt.
Unser Ziel war die Dürrensteinhütte auf rund 2.040 Metern Höhe.
Hier hatten wir uns eine ausgedehnte Pause redlich verdient. Bei bestem Wetter saßen wir zusammen und ließen die beeindruckende Bergwelt auf uns wirken. Der Blick über das Hochplateau und auf die umliegenden Dolomitengipfel war einfach fantastisch.
Nach dem anstrengenden Aufstieg war diese Pause genau das Richtige.
Über das Hochplateau zurück ins Pustertal
Irgendwann mussten wir uns allerdings wieder auf den Weg machen. Über das wunderschöne Hochplateau der Plätzwiesen ging es zunächst bergab.
Die Abfahrt führte uns hinunter nach Schmieden. Von dort gelangten wir wieder auf den Pustertalradweg und konnten es zunächst etwas gemütlicher angehen lassen.
Doch offensichtlich hatten wir an diesem Tag noch nicht genug Höhenmeter gesammelt.
Eine letzte Bergetappe über Novale
Bei Welsberg entschieden wir uns kurzerhand für eine zusätzliche Bergetappe über Novale. Noch einmal hieß es kräftig in die Pedale treten, bevor wir schließlich wieder in Richtung Olang rollten.
Am Ende dieser beeindruckenden Tour standen nicht nur einige Kilometer und jede Menge Höhenmeter auf dem Tacho, sondern vor allem unzählige Eindrücke.
Toblacher See, Soldatenfriedhof Nasswand, Festung Landro, Drei Zinnen, Dürrensee und schließlich die Plätzwiese mit der Dürrensteinhütte auf 2.040 Metern – diese Tour hatte wirklich alles zu bieten.
Das Wetter hätte nicht besser sein können und die klare Sicht auf die Dolomiten machte den anstrengenden Anstieg zur Plätzwiese mehr als wett.
Maximale Höhe: 2027 m
Minimale Höhe: 1063 m
Gesamtanstieg: 1175 m
Gesamtabstieg: -1162 m

