Mit dem E-Bike von Geislingen nach Merklingen – Etappe 2 auf dem Albtäler-Radweg
Ein Tag voller Natur, Geschichte, Technik und jeder Menge Höhenmeter
Im Rahmen eines Projekts des ADFC Kreisverbands Heidenheim wird der gesamte Albtäler-Radweg in drei Etappen mit dem Fahrrad erkundet. Als Tourenleiter durfte ich die zweite Etappe von Geislingen an der Steige nach Merklingen begleiten.
Am Sonntagmorgen ging es für vier E-Biker bereits kurz nach 8 Uhr am Bahnhof Giengen los. Die Fahrräder wurden in den Zug verladen und gemeinsam fuhren wir zunächst nach Ulm. Dort hieß es umsteigen und weiter nach Geislingen an der Steige, unserem eigentlichen Startpunkt. Hier stießen weiter drei E-Biker zu uns.
Der Albtäler-Radweg ist ein vom ADFC mit vier Sternen ausgezeichneter Radweg und führt durch abwechslungsreiche Landschaften der Schwäbischen Alb.
Ein nachdenklicher Start – die KZ-Gedenkstätte Geislingen
Bevor wir richtig in die Pedale traten, machten wir unseren ersten Halt an der KZ-Gedenkstätte Geislingen.
Der Ort erinnert an das ehemalige KZ-Außenlager Geislingen, in dem während des Zweiten Weltkriegs mehr als 800 jüdische Mädchen und Frauen als Zwangsarbeiterinnen für die WMF eingesetzt wurden. Das Lager bestand von 1944 bis 1945. Die Gedenkstätte mit Informationstafeln, Zaunelementen und nachgebildeten Holzschuhen macht die Geschichte des Ortes eindrucksvoll sichtbar.
Ein durchaus nachdenklicher Beginn unserer Radtour – und eine wichtige Erinnerung daran, dass die Orte, durch die wir heute ganz selbstverständlich mit dem Fahrrad fahren, auch eine bewegte und teilweise sehr dunkle Vergangenheit haben.
Bad Überkingen – Quellen und Geschichte
Weiter ging es entlang der Fils in Richtung Bad Überkingen. Hier warteten gleich mehrere interessante Stationen auf uns.
Wir besichtigten das Alte Pfarrhaus, bevor wir zur Helfensteinquelle und zum Quellentempel weiterfuhren. Bad Überkingen ist seit Jahrhunderten für seine Heil- und Mineralquellen bekannt. Wasser spielt hier also nicht nur landschaftlich, sondern auch historisch eine wichtige Rolle.
Der Quellentempel ist Teil des Kurparks und erinnert an die Bedeutung der Quellen für die Entwicklung des Kurortes. Heute verbindet sich hier die Geschichte des Heilbades mit einer schönen Parkanlage – ein angenehmer Zwischenstopp auf unserer Fahrradtour.
Die beeindruckende Hausener Wand
Unsere Route führte weiter durchs Obere Filstal. Bei Hausen an der Fils erwartete uns eines der beeindruckendsten Naturdenkmale der Etappe: die Hausener Wand.
Die gewaltige Felswand ragt rund 250 Meter über das Filstal auf. Entstanden ist sie durch einen Bergsturz, vermutlich am Ende der letzten Eiszeit. Gleichzeitig bietet die Felswand einen außergewöhnlichen Einblick in die Gesteinsschichten des Weißen Jura und wird deshalb auch als geologisches Fenster bezeichnet.
Für uns Radfahrer war sie jedenfalls ein beeindruckender Anblick – und eine gute Gelegenheit für eine kurze Verschnaufpause.
Ein Blick nach oben – die Filstalbrücke
Kurz darauf änderte sich die Landschaft erneut. Über uns thronte die imposante Filstalbrücke der Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm.
Die beiden Brückenbauwerke überspannen das Filstal in einer Höhe von bis zu 85 Metern. Zusammen sind sie mehrere hundert Meter lang und Bestandteil des spektakulären Albaufstiegs der neuen Bahnstrecke. Die Brücke wurde 2022 in Betrieb genommen.
Es ist schon beeindruckend, wenn man mit dem Fahrrad durch das Filstal fährt und gleichzeitig diese gewaltige Eisenbahnbrücke über sich sieht.
Wiesensteig – Residenzschloss der Helfensteiner
Weiter ging es nach Wiesensteig, einem kleinen historischen Städtchen am Oberlauf der Fils.
Hier machten wir Halt am Residenzschloss Wiesensteig. Das Schloss geht auf die Herren von Helfenstein zurück. Der heute noch erhaltene Südflügel wurde ab 1551 unter Graf Ulrich XVII. errichtet und diente dem Geschlecht der Helfensteiner bis zu dessen Aussterben 1627 als Residenz. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde das Gebäude in den 1980er-Jahren vor dem Verfall gerettet und restauriert. Heute wird es unter anderem als Bürgerzentrum und für kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Der Filsursprung – bevor es auf die Alb geht
Kurz vor dem eigentlichen Albaufstieg erreichten wir den Filsursprung im idyllischen Hasental.
Hier tritt das Wasser der Fils aus dem Karst der Schwäbischen Alb an die Oberfläche. Das Wasser sammelt sich zuvor in einem weit verzweigten System aus unterirdischen Höhlen und Klüften. Der Quelltopf liegt auf etwa 625 Metern Höhe und ist von Mischwald und Wiesen umgeben.
Ein wunderschöner Ort, um noch einmal kurz innezuhalten – denn jetzt stand der Albaufstieg bevor.
Höhenmeter sammeln Richtung Westerheim
Nun hieß es kräftiger in die Pedale treten. Über den Albaufstieg ging es hinauf auf die Hochfläche.
Mit unseren E-Bikes ließ sich der Anstieg zwar gut bewältigen, trotzdem kamen ordentlich Höhenmeter zusammen. Oben angekommen, war die Freude über die erreichte Albhochfläche entsprechend groß.
Unser nächstes Ziel war Westerheim.
Dort konnte einige, wenn nötig, die Bikes wieder mit Strom versorgen und wir machten eine ausgiebige Pause im Gasthaus Rössle um neue Kräfte zu sammeln.
Tief hinunter in die Laichinger Tiefenhöhle
Nach der Pause ging es weiter über die Albhochfläche in Richtung Laichingen.
Dort wartete mit der Laichinger Tiefenhöhle noch ein ganz besonderes Highlight auf uns.
Die Tiefenhöhle ist Deutschlands tiefste öffentlich zugängliche Schachthöhle. Das Höhlensystem ist rund 80 Meter tief und etwa 1.300 Meter lang. Für Besucher ist ein etwa 330 Meter langer Bereich erschlossen, wobei man über Treppen bis rund 55 Meter unter die Erdoberfläche hinabsteigen kann. Entdeckt wurde die Höhle bereits 1892 beim Abbau von Dolomitsand.
Nach den vielen Höhenmetern des Tages war der Gedanke, jetzt noch einmal 55 Meter hinunterzusteigen, durchaus etwas gewöhnungsbedürftig. Aber die Besichtigung war ein beeindruckender Abschluss unserer zahlreichen Sehenswürdigkeiten.
Das Ziel rückt näher – Merklingen
Nach der Besichtigung der Tiefenhöhle hieß es schließlich: Auf zum letzten Abschnitt!
Wir schwangen uns wieder auf unsere E-Bikes und nahmen die letzten Kilometer nach Merklingen unter die Räder.
Am Bahnhof Merklingen angekommen, war die zweite Etappe geschafft. Die Fahrräder wurden wieder für die Zugfahrt verladen und gemeinsam ging es über Ulm zurück nach Giengen.
Ein Tag mit vielen Highlights
Am Ende lag ein ereignisreicher und abwechslungsreicher Fahrradtag hinter uns.
Von der nachdenklich stimmenden KZ-Gedenkstätte in Geislingen über die Quellen in Bad Überkingen, die imposante Hausener Wand, die gewaltige Filstalbrücke, das historische Residenzschloss in Wiesensteig, den idyllischen Filsursprung, den anspruchsvollen Albaufstieg und die Laichinger Tiefenhöhle war eigentlich alles dabei, was eine gute Radtour ausmacht.
Dazu kamen schöne Landschaften, interessante Gespräche, eine gemütliche Einkehr in Westerheim und natürlich jede Menge Höhenmeter.
Mit sieben E-Bikern war es eine tolle Gruppe, und als Tourenleiter hat es mir viel Freude gemacht, diese zweite Etappe des ADFC-Projekts zu begleiten.
Fazit: Ein langer, aber wunderschöner Tag auf dem Albtäler-Radweg – mit vielen Highlights, schönen Landschaften und einer guten Portion sportlicher Herausforderung.
Maximale Höhe: 858 m
Minimale Höhe: 432 m
Gesamtanstieg: 718 m
Gesamtabstieg: -460 m

